Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

  • Mixed Media & das zweitausendneunhundertneunundzwanzigste Gedicht

    Mixed Media & das zweitausendneunhundertneunundzwanzigste Gedicht

    Eindeutig, beidseitig

    Ab hier ist Denken abgeschlossen.
    Wer weiter will, wird abgeschossen!

    Die wanken, zweifeln, skeptisch bleiben
    Und zwischen unsern Lagern treiben –
    Die sich vorm Konsequentsein zieren,
    Werd’n ihre Existenz verlieren!
    Es sind die Fronten dieser Tage
    Vereint bei jender selben Frage:
    Wie hältst du’s mit dem Treueschwur?
    Wie stehst du zur Bejahung pur?
    Drängt’s dich mitunter auszuscheren?
    So senkt’s uns deiner zu entbehren!
    Denn ab hier ist Denken abgeschlossen.

    Bei Übertritt wird scharf geschossen!


  • Lendspitz & das zweitausendneunhundertachtundzwanzigste Gedicht

    Lendspitz & das zweitausendneunhundertachtundzwanzigste Gedicht

    Fluchtwege

    Jüngst erreichten den Baum und mich Umsturzgerüchte.
    Der Plan: Bevor’s wirklich soweit ist – ich flüchte!
    Doch plant das auch der Baum?
    Kaum.


  • Hawaiian Nights & das zweitausendneunhundertsiebenundzwanzigste Gedicht

    Hawaiian Nights & das zweitausendneunhundertsiebenundzwanzigste Gedicht

    Im US-Nationalarchiv

    Und jeder prüft nun online nach, ob Opa bei den Nazis war –
    Doch wer prüft mal das eigne Denken: Ist es der AFD schon nah?


  • Privatginkgo & das zweitausendneunhundertsechsundzwanzigste Gedicht

    Privatginkgo & das zweitausendneunhundertsechsundzwanzigste Gedicht

    Der Ginkgo: Recht- vs. Versschreibung

    Was den Goethe bewegte zu einem Poem,
    Bäumt sich auf zu ’nem handfesten Rechtschreibproblem!

    Ich dachte erst, man schreibt das so:
    Da stand ein Baum, der Ging k.o.

    Doch ist das „G“ erst später dran –
    (o. k., ein weitres steht vornan) –
    Man stellt das zweite „G“ nach da,
    Wo erstvermutet stand das „K“.
    Dann, Schreiberling, saG: ink, go!

    Für ’nen korrekten Ginkgo.


  • Im Hügel-Speisesaal & das zweitausendneunhundertfünfundzwanzigste Gedicht

    Im Hügel-Speisesaal & das zweitausendneunhundertfünfundzwanzigste Gedicht

    Die 7 Todsünden: Acedia. Die Trägheit

    Tiefdämmrig und aufgedunsen
    Räk’le ich mich, tonnenschwer,
    Unter sonnenfernem Grunsen,
    Träg wie ein K.o.labär –
    Belle müd‘, doch unverhohlen:
    „Scheißwelt, bleib‘ mir bloß gestohlen!“
    Und dann dross’le ich jed‘ Schnurzsein –
    Mag mich gar nicht echauffieren –
    Klemm‘ den Wutausbruch als Furz ein,
    Lass‘ ihn lautlos rausspazieren …

    Ja, so schmiegt sich das Banale
    Willig in das Scheißegale,
    Staut sich als Gedankenmüll
    Wirkungsfrei im Vestibül.
    Nichts an mir wird sich bewegen
    Und kein Muskel sich noch regen –
    Ich lieg‘ im Leib so wie im Sarg,
    Faul im Staate Gähnemark.

    Oh, spotten wir dem Zwangssportiven
    In seiner erbärmlichen Zwecklosigkeit
    Und lehnen zurück uns im vegetativen
    Nervengerüst, der Genüsse bereit!
    Denn Schwelgen lässt sich am besten im Liegen,
    Und nur Renitenz bremst der Hektik Intrigen.
    Ich verklapp‘ all mein Zappelbedürfnis gelind
    Im darmauswärts strömenden, würzigen Wind
    Aus Flatulenz und Abstinenzler-Aroma,
    Den Zwölffinger faltend, bet‘ ich mich ins Koma –
    Und das soll doch, bitte, genug Tuung sein!
    Schon fast wie erschöpft, reduzier ich mein Sein
    Um mich gesättigt zu versenken
    In das Reich Acedia –
    Abgekappt von Stress und Denken,
    Sanft zentriert im Wunderbar!

    Wär‘ da nicht die Last des Atmens –
    Das jahreinjahrausige Rein und Raus –
    Jener ewige Zwang präasthmatischen Darbens
    Des Lungen umschlungenen Lüfteverhaus!
    Denn gleich, ob er wacht oder kauert im Schlaf,
    Immerzu meldet mein Körper Bedarf
    An Neuzufuhr von Sauerstoff –
    Und nimmer kehrt da Ruhe ein!
    Unentwegt möcht‘ ich „Enough!“
    Oder Sinnverwandtes schrei’n.

    Ach, dieses Atmen – es strengt mich so an!
    Wer, der’s statt meiner erledigen kann?
    Na, Beatmungsgeräte – ich mein‘, gibt’s die nich‘ auch
    Für Menschen wie mich zum privaten Gebrauch?
    Ich würde mir – nur, um nie wieder zu kau’n –
    ’ne Magensonde selbst einbau’n
    Und denke, dass den Krankenkassen
    Sicher wär‘ der Dank der Massen,
    Bewilligten sie solch – von mir längst erflehte –
    Chillige Lebensrelaxingpakete.

    Ich will doch nur Ruhe, entschleunigte Gnad,
    Möcht‘ elegisch erschlaffen, belastungsbefreit,
    ’nen jed‘ Hast entlastenden Heilsapparat –
    Kurzum, Amnestie von der Körperlichkeit!

    Denn soll dieser Wix mein Schicksal sein,
    So will ich, Leben: Stelldichein!

    Wiewohl doch die Ahnung mich stetig zerfrisst,
    Dass Sterben ja auch eine Tätigkeit ist.

    Und ich erblick‘ mit Unbehagen
    Allseits Klippen um mich ragen –
    Man scheint dem Reich Acedia
    Auf ewig unerreichbar nah!

    Und wie durchschreitet man solch Tal?
    Davon mehr beim nächsten Mal …

    Alle Rechte bei Oliver Resken, der das Gedicht 2026 im Rahmen des SLAMMED-II-Crowdfunds erstanden hat.


  • In memoriam & das zweitausendneunhundertvierundzwanzigste Gedicht

    In memoriam & das zweitausendneunhundertvierundzwanzigste Gedicht

    Abschied von München

    Irgendwann ist mir München abhanden gekommen …
    Bin doch immer so gern in der Isar geschwommen!?

    War Kur-gebräunt statt Ruhrpott-käsig,
    Doch plötzlich dachte ich, wie bräsig
    Ist diese im Selbstlob sich suhlende Stadt –
    Wie engstirnig eitel, wie flachgeistig platt?!

    Erst klang es entspannt, dann begann’s mich zu stören –
    Nun möcht ich mein Lebtag kein Bairisch mehr hören.
    Dieses mampfige Klumpengetöne entseelt,
    Dass jede Instanz eines Selbstzweifels fehlt.
    Statt Brüche nur Sprüche,
    Statt Abkehr nur Abwehr:
    Die ewige Feier der ganz dicken Eier.

    Dieses Ursprungsgesei’re in der Baumlosigkeit,
    Dieses „Good guy“-gebürstete Stillsteh’n der Zeit,
    Diese Verve-unterfettete Lässigkeitsshow …
    Alles wertet nach Ob-wer-a-Hund-is-Niveau.

    Werd wenig am Style-Fraß von München vermissen,
    Denk bei jeder Bowl-Row: „Boah, Leute, geht pissen!“,
    Jeder Teilhabedrang ist bei Null angekommen.

    Dabei bin ich sehr gern in der Isar geschwommen.


  • Ronald McDonald Haus & das zweitausendneunhundertdreiundzwanzigste Gedicht

    Ronald McDonald Haus & das zweitausendneunhundertdreiundzwanzigste Gedicht

    Ich, angefüllt von Neid

    Ich bin zu spät gekommen, um den Anschluss zu kriegen,
    Denn ich musste zuvor noch Bedürfnisse wiegen,
    Den Schweinehund in meinem Innern besiegen –
    Doch nun wär ich bereit!

    Ich habe zu lang mir die Lösung verschwiegen,
    War viel zu beharrlich, gerade zu biegen,
    Die Zeiger meiner Zeit.

    Nun betrachtet die Champions der unteren Ligen:
    Ich, angefüllt von Neid.


  • Altes Haus & das zweitausendneunhundertzweiundzwanzigste Gedicht

    Altes Haus & das zweitausendneunhundertzweiundzwanzigste Gedicht

    Lowleveleinigkeit

    Bin ’ne Zu-wenig-Leistung-bei-zu-viel-Verbrauch-Show!
    Du findest das scheiße – und ich seh das auch so …


  • Dom zu Unserer Lieben Frau & das zweitausendneunhunderteinundzwanzigste Gedicht

    Dom zu Unserer Lieben Frau & das zweitausendneunhunderteinundzwanzigste Gedicht

    APRIL 2026 (Jahresrückblick IV)

    Die Asia-Hornisse stürmt die Gliedertierwelt,
    Da in Hamburg ein Wolf ’ne Passantin anfällt –
    Doch noch biestiger, glaub mir,
    Ist das menschliche Raubtier …

    Es gab 2.600 Kriegsdienstverweigerung’n im ersten Quartal
    Und 350.000 Bewerbung’n bei Rheinmetall.
    Was zeigt, in welch Richtung der Wind heftig dreht,
    Der im Land der Reformstaus das Phlegma umweht.

    Zwar wird auf Schulstreiks strikt gegen die Wehrpflicht skandiert,
    Doch Verhandlungen boomen, nach den’n gar nichts passiert
    Und Friedensfürst Trump schießt sich jetzt auf den Papst ein.
    Er malt sich als Jesus – doch will nur ein Arzt sein.
    Was der Welt herzlich wenig Erlösung verspricht.
    Doch per Ablösung rückt etwas Hoffnung ins Licht:

    … auf ABBA „Thank you for the music“
    16 lange Jahre haben wir nach Ungarn ungern geschaut,
    Wie’ne Pest hat Budapest uns Bruder Victor Orban versaut.
    Er hat Europa gespalten, gegen Homos gehetzt,
    Er hat EU-Interna stets an Putin verpetzt –
    Autokraten sind – unter’nander geschätzt
    Mitunter doch sehr gut vernetzt.

    Stur hat er per Veto der Ukrainehilfen Geldfluss blockiert
    Von asozialer Geltungssucht und nationalem Ego borniert.
    Schien der ewige Sieger, dann versauten ihm’s ganz:
    Die Wahlkampfunterstützungen durch Trump und der Wanz‘!
    Autokraten sind – zumindestens ab jetzt
    Nicht per se als Sieger gesetzt. Wir sagen:

    Danke fürs Gemurkse – du kannst jetzt gehen,
    Wir sag’n Auf Niewiedersehen!
    Denn ein Victor wen’jer ist für die Demokratie
    Ein Victory!
    Weil wir jetzt merken, wir sind stärker als die,
    Sagen wir Danke fürs Gemurkse, für Gift und Bulimie!
    (… weil wir doch mehr sind als die, sagen wir)
    Danke fürs Gemurkse, für Gift und Bulimie!


  • Mittwoch, 12. August 2026 & das zweitausendneunhundertzwanzigste Gedicht

    Mittwoch, 12. August 2026 & das zweitausendneunhundertzwanzigste Gedicht

    Sonnenfinsternis, partielle

    Als hätte dem T wer den t-Strich geklaut,
    Zuvor noch den i-Punkt nebst L-Eck verdaut.
    Als wär das C-H komplett kehlloser Laut –
    Das Wort insgesamt erst zur Hälfte erbaut …
    Es fehlte manch Rinnsal vom üblichen Licht.

    Naja, aber finster?! War’s eigentlich nicht.


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