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Orthodoxes in San Remo & das zweitausendachthundertsiebenundsechzigste Gedicht

Der Müde
Mein drittes Ripostegedicht auf „Die Made“Tief in eines Traumes Sünde
Schlief der Müde schön ’ne Stünde …
Ja, endlich ist’s gemütlich leise,
Denn der Müde ist jetzt Waise.
Sieh, die Eltern, die er hatte,
Hieb sein Unmut auf die Matte!Eines Abends sah’n die Alten
(kurz vorm stumpfen Schädelspalten):
„Drüben gibt es Alkohol – den wir hol’n, is eh gestohl’n –
Zum Umtrunk auf des Bubens Wohl!Müde erinnert das Bübchen sich wieder
Vom Bier geölt, grölt ruckzuck Lieder
Sein genetisches Erzeugerpaar.
Helene-Fischer-Repertoire
Bracht schlaflos ihn durch manche Nacht –
Drum gab’s Schlag Acht ’ne Schlagerschlacht!Und mit wütend rüder Attitüde
Sucht der Müde nach ’nem Prügel …
Gut gefüllte Biertrunkkrüge
Stünd’n als Fundus zu Genüge
Zur Verfügung
Und mit Doom-Schwung
Wummst der Bub mit Krug-Hub munter
Rundum dumpf auf Stürnen ein –
Kühn und ungezügelt brüllend
Ungestüm den Blutdurst stüllend
Rumms und Bumms ins Hürn hinein!
Fürchterlich suppt’s auf die Stühle
Künftig grüßt hier Corpus-Kühle,
Schlusspunkt unter Pulsdruck-Schwund,
Zuckt’s noch buttrig ungesund
Kurzum: Im Wundenwunderland
Ist Umzug in die Gruft geplant.
Vaters Mund, zertrümmert, brüllt nich,
Blutgelumpes Pfütze füllt sich,
Mutters Pumpendurchfluss nullt sich –
Urteilsspruch ohn‘ Ulk und Huld: Ich
Find den Bub zu ungeduldig. Schuldig.Mum und Daddy soll man ehren –
Oder gegen sie sich wehren!
So sie nachtschlafraubend singen,
Muss man sie zum Schweigen bringen.
Wie’s hier geschah, dünkt hart, klar, bloß:
Ihr Lieblingssong war Atemlos.
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Jardin exotique d’Eze & das zweitausendachthundertsechsundsechzigste Gedicht

Selfie in Monte Carlo
Bitte alle mal kurz Halt! Grace Kelly will ein Selfie schießen.
Es muss ’ne Instagram-Gestalt stets ihr Profil profund begießen.Man könnt‘ generös-gnädig überplanieren,
Jede Zeit habe ihre „Beachtet mich!“-Tricks –
Oder Stilmangel einfach in Grace definieren
Als Abstandsmaß zur Influencerin X.
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Coats d’Azur & das zweitausendachthundertfünfundsechzigste Gedicht

Die Mode
Mein zweites Ripostegedicht auf „Die Made“Tief in eines Saumes Rande
Sitzt die Mode im Gewande.
Jahre sind ins Land gegangen,
Aber die, die an ihr hangen,
Kleiden sich noch immer so –
Gurr’n gern um des Garnes Show.Der Designer sprach zum Model:
„Trag du meine alten Zoddel!
Sollt’s am Catwalk wer erkennen,
Werden wir’s Upcycling nennen.
Spiel derweil nicht grundlos dumm,
Denn sonst holt dich Heidi Klum!“Schneiders Model aber strich
Allen Fummel ab von sich –
Und statt schummelnd, walkt die pride Deern
In des Kaisers neuen Kleidern,
Dass am New Chic Unbekleidet
Sich manch Blick vorm Shitstorm weidet.Doch
Der Modeshow-First-Row-Synode
Entlockt’s verbockt ein „Oh, my God!“e,
Denn voll devot und rot bekoppt golt dort in dem Dom der Mode
Noch der orthodoxe Groll
Oller Bloßer-Po-Verbote.
Der Roben-Dresscode flowt gen Boden
Oder ans Niveau der Hoden!
Doch „No!“ der exponierten Fott –
Selbst Ottos Mops motzt: „Gottohgott …“Droh’n solch verrohte Modelmoden,
Gibt’s Gottlob Folterei-Methoden:
Verdammt man Frau’n vernichtungsfroh,
Entflammt man diese lichterloh!
Und die Molotovcocktail-Bros jene Spots kennen,
Wo lodenlos-wordene Showmodels brennen.
En gros blowt so ein lodernd Brodem
In Opfer-Bodys Todes-Odem! Show-Down.Es war, bevor jetzt jemand fragt,
Der Nude Look halt nicht angesagt –
Und kommt vielleicht auch nie in Mode.
Nicht nur der Hubsi findet’s „Schode …!“
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Erdbebensicherungen & das zweitausendachthundertvierundsechzigste Gedicht

Abgespritzt
Pausen-Schreibaufgabe der Schwabinger Schaumschläger Show, bei der die vom Publikum geforderten Worte „Rauchalarm“, „Suppe“, „Schaufenster“ und „Löschfahrzeug“ in einem Text eingebunden werden musstenErst lichterloh von Flamm’n erhitzt
Und nu schaust finster, Puppe!
Nach Rauchalarm hat dich bespritzt:
Der Löschfahrzeuge Suppe.
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Castel Plage & das zweitausendachthundertdreiundsechzigste Gedicht

Unter Frühlingsrebellen
Der Wind vom Meer kommt kühl daher
Doch die Sonne gibt sich schon verbindlich.
Mag sein, diesen Umschwung erwünsch ich zu sehr –
Ja, bin fürs Konträre zu blind ich?Im früh gewählten T-Shirt darf man sich durchaus erkälten
Und mit jenen im Einklang dann husten und schnupfen,
Die ähnlich frisch sich aus dem Haus heut gesellten,
Um mutig und frohen Muts aufzumupfen.
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Monaco & das zweitausendachthundertzweiundsechzigste Gedicht

In Monaco
In Monaco wohnen Massen
Monegassen ohne Moneten,
Die nach Alberts Krone fassen
Auf albern krass bephonten Feten.
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Casino Municipale & das zweitausendachthunderteinundsechzigste Gedicht

Seealpen
Niedersachsen fragen Seealpenleute:
„Ciao, sachtma, wie war denn dat Wetter so heute?“
„Schön zum Skifahren war’s und auch zum Baden!
Ja, wir war’n noch am Strand nach’m Sessellift –
Und vergaßen glatt, Euch einzuladen …
Sowas merkt man ja erst, wenn man sich später trifft,
Auch, wie schnell man gewöhnt sich ans Hochgefühl,
Dass man nicht täglich stöhnt: ‚Heute wird’s wieder kühl‘.“Nun, dafür können Niedersachsen
Weil am Tiefpunkt, nur noch wachsen.
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Mispeln & das zweitausendachthundertsechzigste Gedicht

Waidmenschlicher Kurzporno
In den Fangeisen einer Umarmung
Zuckte die Bärentatze.
Die Trapperin freit deren Samung
Und schluckt sie sodann mit Geschmatze.
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Ponte Vecchio di Dolceacqua & das zweitausendachthundertneunundfünfzigste Gedicht

Spontan begeistert (aber Minderheitsmeinung)
Es gilt, über die Brüstung mein Glück rauszuposten,
Und chillig des Shitstorms Entrüstung zu hosten.
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Apollo Statue & das zweitausendachthundertachtundfünfzigste Gedicht

Halbherzen
Und versuch ich auch forsch voranzuschreiten,
Ein erster Blick wendet schon um …
Das Verdrängen muss sich ein Vergessen erfighten!
Das klappt bereits jetzt nicht mehr. Dumm.
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